Eindrücke vom ersten Schultag

Der erste Tag am Kolleg

An meinem ersten Schultag kam ich in das Foyer des Treptow-Kollegs mit einem riesigen Fragezeichen über den Kopf. Vor mir tummelten sich gefühlt 1000 andere Schüler auf der Suche nach einer Liste. Diese Liste sagte einem in welcher Klasse man von nun an sein soll, in welchem Raum man Unterricht hat und wer der zuständige Lehrer ist.

Sofort stand ich vor dem nächsten Problem: Wo ist dieser Raum?!

Wenn man sich im Schulgebäude noch nicht auskennt, kommt es einem wahnsinnig verwinkelt vor und man hat das Gefühl nur Treppen hinauf und hinab zu laufen. Wir bekamen einen Gebäudeplan und fanden uns so dann auch schnell zurecht. Ich kann aber jeden beruhigen, einige Zeit später kann man blind jeden Raum finden.

Im Klassenzimmer angekommen sah man zum ersten Mal, mit wem man es nun in den nächsten drei Jahren zu tun haben wird. Ein bunt gemischter Haufen sehr freundlicher Menschen nimmt einen in Empfang. Einige kennen sich schon, weil sie zusammen den Vorkurs besucht haben. Ich, als Quereinsteiger per Eignungsprüfung, kenne niemanden und habe schon die Befürchtung nicht so leicht Anschluss zu finden. Da setzt sich auch schon das erste Mädchen neben mich und fängt eine Unterhaltung an. Die Atmosphäre ist unglaublich angenehm. Die meisten sind in meinem Alter, ich bin 25. Später stelle ich aber fest, dass auf der Schule fast jede Altersstufe vertreten ist.

Die Lehrerin begrüßt uns lächelnd und gibt uns damit das Zeichen, dass es nun los geht. Ich wundere mich, ich habe in den Gesprächen ganz die Zeit vergessen und auch keine Klingel gehört. Meine Banknachbarin erklärt mir, dass die Schule keine hat. Man muss schon selbst mal einen Blick auf die Uhr werfen.

Ich erhalte meinen Stundenplan, versehen mit diversen Namenskürzeln die einen Hinweis darauf geben sollen, wie mein jeweiliger Lehrer heißt und in welchem Raum der Unterricht stattfindet.

Auf dem Stundenplan ist auch vermerkt von wann bis wann der jeweilige Block geht, hier gibt es nämlich Blockunterricht von je 90 Minuten. Die Ferienzeiten und unterrichtsfreien Tage sind ebenfalls für das gesamte Halbjahr vermerkt.

 

Die Lehrerin erzählt uns vom Sekretariat im Erdgeschoss, über das man auch den Schulleiter erreicht. Dort hängt ein blauer Briefkasten und daneben steht auf einen kleinen Tisch eine Box mit einem Namensregister. Wenn man eine Schulbescheinigung braucht oder einen neuen Bafögantrag stellen muss, dann wirft man einfach einen Zettel in den Briefkasten und schaut an den nächsten Tagen in das Register und entnimmt sich die ausgefüllten Formulare. Genauso wird mit der Verlängerung des Schülerausweises verfahren.

Gleich neben dem Sekretariat ist das Büro der pädagogischen Koordinatorin. Mit jedem Problem was ein Schüler haben kann, kann man zu ihr gehen. Sie hilft bei der späteren Wahl der Fächer für die Kursphase und dank ihr gibt es immer wieder Informationsveranstaltungen auf denen sie beispielsweise über die 5. Prüfungskomponente referiert und für alle Fragen offen ist.

Ich erfahre auch, dass es für jeden Schüler in der Einführungsphase ein Methodentraining gibt, bei dem man nützliche Informationen rund um eine Präsentation erhält. Wie erstellt man eine Präsentation, wie bereitet man sich am besten darauf vor, wie werden Quellenangaben gemacht, worauf muss man generell achten und sogar ein Rhetoriktraining ist dabei. Für viele Schüler ist das nützlich, weil sie zuvor selten eine Präsentation oder ein Referat halten mussten und noch viele davon im Laufe ihrer Schullaufbahn auf sie zukommen werden.

Die Hausordnung wird als nächstes durchgegangen und dem folgen viele nützliche Hinweise von der Lehrerin. Sie erzählt uns wann die Cafeteria geöffnet hat, dass hinten auf dem Schulgelände eine große Wiese mit Bänken darauf wartet in den Pausen von uns genutzt zu werden und wir ein Internetcafé zur Verfügung haben.

Abschließend weist sie uns auf die Aushänge im Foyer hin. Dort befindet sich ein Glaskasten mit dem Vertretungsplan und anderen wichtigen Informationen. Gegenüber ist ein weiterer Glaskasten der über außerschulische Aktivitäten informiert. Dort findet man alles über Arbeitsgemeinschaften und Förderunterricht. Dann gibt es noch eine Pinnwand mit vielen verschiedenfarbigen Zetteln in allen Formen und Größen. Dort heften Lehrer wichtige Infos für Schüler an. Noch ein weiterer Glaskasten beinhaltet Klausurtermine und einen großen Stundenplan, auf den man schauen kann, falls man seinen eigenen mal vergessen hat oder noch nicht im Kopf hat.

Diese vielen Möglichkeiten sich zu informieren werden von den Lehrern auch gerne als Lesetest bezeichnet, was ich sehr treffend und witzig finde.

Die 90 Minuten verfliegen wie im Flug und ich stürme im Anschluss direkt auf die Cafeteria zu. Morgens gibt es belegte Brötchen und allerhand süßes wie Donuts und Muffins, Kaffee und Tee selbstverständlich immer. Mittags wird immer auch warmes Essen mit Nachtisch angeboten. Die Preise sind an die nicht all zu dicken Portemonnaies der Schüler angepasst und jeder findet ein Plätzchen zum sitzen. Der Raum ist immer verziert mit Bildern und Skulpturen der Kunstkurse, genau wie Treppenhaus und Flure der Schule.

Eigentlich könnte ich jetzt nach Hause gehen. Der erste Schultag dient organisatorischen Zwecken, der erste Unterricht findet erst am folgenden Tag statt.

Ich schaue mich aber noch etwas in der Schule um und sehe in die einzelnen Räume. Sehr überrascht war ich von den Räumen der naturwissenschaftlichen Fächer.

Jeweils die Räume für den Biologie-, Chemie- und Physikunterricht sind alle renoviert und ein Raum für die Informatiker findet sich auch. An der Schule gibt es WLAN und jeder kann seine eigene Technik mitbringen und frei nutzen.

Stutzig werde ich, als ich die komische Tafel erblicke. Man erklärt mir, dies sei ein „Teamboard“, mit dem der Unterricht viel aktiver und multimedial gestaltet werden kann. Meine Skepsis steigt, also heißt es selbst ausprobieren.Ein Lehrer ist so freundlich mir den Umgang mit der Tafel zu zeigen. Ein Rechner ist angeschlossen und über der Tafel hängt ein Beamer. So könnte ich zu Hause vorbereitete Folienvorträge (PowerPoint etc.) per USB-Stick direkt an den Rechner anschließen und auf der Tafel anzeigen lassen. Dann gibt es noch diverse Programme für die Tafel. Beispielsweise kann man ein Mathematikprogramm starten, bei dem man Werte eingeben kann und das dann Diagramme im Koordinatensystem erstellt, mit dem man die eigenen Diagramme vergleichen kann. Gleichzeitig sagte er mir, dass ich noch sehr viele Diagramme in Mathe zeichnen werde. Die Freude war besonders groß.

Solch eine Tafel findet man in vier Räumen, weitere sollen folgen. Mich hatte der Lehrer schon überzeugt, als er mir zeigte, dass man darauf Dinge schreiben kann und diese dann abspeichern kann. Sicherlich seien noch nicht alle Lehrer geübt im Umgang damit und die Technik noch nicht perfektioniert, aber das komme dank schulinterner Fortbildungen mit der Zeit.

Bei meinem Rundgang kam ich auch an ganz normalen Klassenzimmern vorbei. Einige sind schon farbig gestaltet, anderen fehlt noch ein frischer Anstrich. Die Schule bekommt nicht genügend Mittel, um alle Räume neu zu gestalten und so liegt es bei Lehrern und Schülern, wie und ob ein Raum gestaltet wird.

So langsam begebe ich mich Richtung Ausgang und werfe noch einmal einen Blick auf die vielen Glaskästen. Der Trubel vom Morgen ist vorbei und ich kann mir in Ruhe einen Überblick verschaffen. Siehe da, da steht etwas davon, dass ich heute noch meine Bücher aus der Bibliothek abholen soll. Eine Namensliste mit Uhrzeiten hängt aus, damit zu Schulbeginn ein wilder Ansturm auf den Bibliothekar vermieden wird. Für mich bedeutet das nur: Lesetest bestanden.

Es kann losgehen!

Corinna Bild

2009